Der (un) wahrscheinliche Phil M.
Pebble Beach, Monterey - Einst gab es die "Big 5" im Golf: Tiger Woods, Phil Mickelson, Ernie Els, Vijay Singh und Jim Furyk. Lebende Legenden des Golfsports, die eine ganze Dekade des Sports dominierten. Während sich Singh, Els und Furyk jenseits der 40 mit der Rolle als "Cut-Maker und Money-Taker" arrangiert zu haben scheinen, können weder die Fans noch die beiden einstigen Super-Rivalen Woods und Mickelson etwas anderes akzeptieren als Sieg oder Untergang.
Das Finale in Pebble Beach war deshalb vom ersten Schlag an eine Bestandsaufnahme, welcher der beiden Dinosaurier noch beißen und wer nur noch brüllen kann. Wer hätte ernsthaft sein Geld auf Phil Mickelson gesetzt, der sechs Schläge hinter dem Führenden Charlie Wi in die Finalrunde starten musste und erst vor wenigen Wochen einen so bemitleidenswert desolates Bild auf dem Platz bot, dass jedermann überzeugt war, Leftys beste Tage liegen in den Annalen der Golfgeschichte begraben, aber sicher nicht mehr vor ihm?
Tiger Woods hingegen zeigte in den letzten Wochen und Tagen eine anhaltend aufsteigend Form. Nach seinem Auftritt in Abu Dhabi, als er nach dem Sieg griff, aber knapp an Robert Rock scheiterte, war jedermann überzeugt: Das AT&T Pebble Beach National Pro-Am wird die Tiger-Show. Vier Schläge hinter Charlie Wi und drei hinter Kevin Duke liegend, setzte niemand einen Pfifferling auf die beiden bislang sieglosen Frischlinge.
Und man sollte recht behalten, während Charlie Wi eine tapfere 72 spielte und den alleinigen zweiten Platz belegte, machte Kevin Dukes 74 das Ausmaß seines fragile Nervenkostüms öffentlich, der mit einem Sieg als 43jähriger Profigolfer sieben Jahre vor der Champions Tour vielleicht einen zweiten Frühling hätte starten können.
Frei Bahn für Tiger, möchte man meinen, der mit Phil Mickelson in einer Gruppe spielte. Doch Woods spielte weder zwingende lange Schläge, noch kam er auf den Grüns bis auf wenige Ausnahmen über das Niveau seines Amateurpartners Tony Romo, dem Quarterback der Dallas Cowboys mit Plus-Handicap hinaus. Drei Bogeys auf den Löchern 7 bis 9, bei denen er Putts aus ein bis zwei Metern daneben schob, beendeten den "spannenden" Zweikampf der einstigen Nummer 1 und Nummer 2 der Welt, bevor er beginnen konnte.
Mickelson hingegen spielte auf der 6 ein unglaubliches Eagle und bewies sich und der Welt, dass er es noch mit jedem Donald, McIlroy, Westwood oder Kaymer dieser Welt aufnehmen kann. Die 64 war nicht nur die beste Runde des Tages, es war unter den kalten und windigen Bedingungen sicher auch die beste Golfrunde des gesamten Turniers. Insgesamt brachte er ein Ergebnis von -17 für das Turnier ins Clubhaus, zwei Schläge besser als Charlie Wi. Für Lefty war es einer der emotionalsten Siege seiner Karriere, der nach der Brustkrebserkrankungen seiner Frau Amy und seiner Mutter sowie einer Internet-Schmutzkampagne vor wenigen Wochen mental stark angeschlagen wirkte.
Phil Mickelson und Tiger Woods







