Ein ewiger Zick-Zack-Kurs
Die ideale Entwicklung zeigt zielgerichtet nach vorne – oder besser nach oben. Eine Grafik würde dennoch einen Zick-Zack-Kurs zeigen. Denn Nichts in unserer Sphäre bewegt sich ständig in eine Richtung. So wird auch die Entwicklung eines Golfers nicht ganz gradlinig verlaufen können.
Aber sich nicht weiter zu entwickeln, also zu verändern, bedeutet für ihn die Gefahr, von den anderen überholt zu werden. Andererseits beinhaltet Veränderung anfangs Verunsicherung. Die heutigen Golfplätze mit ihren ondulierten, gewundenen Grüns und extremen Fahnenpositionen verlangen vom Top-Golfer die ganze Palette der Schläge, wenn er seine Möglichkeiten voll ausschöpfen möchte.
Den Ballflug kontrolliert variieren kann man aber nur, wenn der Grundschwung neutral ist, er also weder zum Fade noch zum Draw neigt. Aber diesen Spieler gibt es nur selten. Jeder der Top-Spieler hat eine natürliche Tendenz: Fade oder Draw. Sein Schwunggefühl ist davon geprägt. Das gilt für den ganzen Schläger-Satz – vom Driver bis zum Putter. Das heißt, er sieht sowohl die Flugbahn des Balles als auch die Puttlinie aus seiner Sicht, mit seinem Gefühl.
Große Spieler der Vergangenheit wie Colin Montgomerie, Arnold Palmer oder Bobby Locke sind gut damit gefahren, nicht andere Varianten anzuwenden, sondern mit ihren Möglichkeiten klarzukommen.
Ich erinnere mich, dass Bobby Locke mit seinem Pullhook das fünfte Green in Wentworth West Course nicht treffen konnte, ganz bewusst immer den linken Grünbunker anspielte und auch so sein Par spielte.
Ben Hogan kam erst zum Erfolg, als er seinen natürlichen Hook in einen kontrollierten Fade umwandelte. Auch Jack Nicklaus hat sein ganzes Leben lang den Fade gespielt. Sogar seine Plätze drücken diese seine Optik aus. Die Mehrzahl seiner Löcher benötigt einen Fade. Tiger Woods ist in meinen Augen derjenige, der ebenso wie Ballesteros und Faldo unglaubliche Schwungveränderungen durchlaufen hat und mit allen Schlagvarianten erfolgreich spielen konnte.
Martin Kaymers Entwicklung führte steil nach oben an die Weltspitze. In einem Tempo, das atemberaubend war. Er spielte seinen natürlichen Fade und kam damit zum Erfolg. Aber auch als Etablierter gibt es kein Zurücklehnen: So wie auch Bernhard Langer es vorgemacht hat, arbeitet er an sich weiter. Er entwickelt seinen Schwung immer mehr in eine neutrale Bewegung, eben um seinen Ballflug kontrolliert variieren zu können. Wie sein Trainer Günter Kessler mir sagte, eine kontinuierliche und vorsichtige Entwicklung zum noch Besseren. Die natürlich eine zeitweilige Verunsicherung in sich haben kann und deswegen sehr dosiert ablaufen muss. Damit der Gefühlsfaktor Schritt halten kann. Aber selbst in dieser Phase spielt Martin weiterhin vorne mit, siegte Anfang November sensationell bei der WGC-HSBC Champions.
Mir scheint, er nimmt momentan Anlauf, um zu noch größeren Erfolgen vorzustoßen. Freuen wir uns auf das, was der derzeit beste deutsche Golfer uns in Zukunft noch zeigen wird.
Heinz Fehring







